Der Fluss Ciane und die Salzfelder von Syrakus

Der Fluss Ciane und die Salzfelder von Syrakus

Icon 9 Februar 2018
Icon By Ceviasi by Vivitalia Tours
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Salzfelder, die längst verlassen, aber noch keinen ihrer Reize verloren haben; eine halophyle Vegetation, die dem hohen Salzgehalt der Gewässer und der Luft widersteht; in der Nähe ein Fluss mit kristallklarem Wasser, umgeben von einer üppigen Ufervegetation: unter diesen Merkmalen bleibt eine Naturreserve direkt bei der Stadt Syrakus erhalten. Der Ciane ist ein kleiner Wasserlauf, der seinen Namen vom Azurblau seiner Gewässer nimmt (cyanos = azurblau) und von der Gegenwart des Papyrus geehrt wird, mit Exemplaren, die mehrere Meter hoch sind. Laut Mythos war es die Nymphe Ciane, die in eine Quelle verwandelt wurde, weil sie den Raub der Persephone verhindern wollte.

Fluss Ciane
Fluss Ciane

Heute blinzelt die Pflanze auffallend reizend hinter den Schaufenstern der Blumengeschäfte mit ihren bänderartigen Blättern und dem kuriosen Büschel kleiner sternförmiger Blüten, die weder grün noch gelb an der Spitze schimmern. Es ist dasselbe Grasgewächs, das den Ägyptern vor rund 3000 Jahren – neben Textilien, Nahrung und Wärme – das erste Papier der Geschichte lieferte.
Nach Sizilien gelangte der Papyrus angeblich als Geschenk der Ptolemäerkönige an Hieron II. – oder waren es die Araber, die es vor dem Jahr 1000 einführten? Warum ist er in Süditalien und im Raum von Palermo, wo er, dank des milden Klimas, lange Zeit erfolgreich gezüchtet wurde, ausgestorben und hier, an den Ufern des kleinen Flusses, überlebt er bis heute? Wie ist es möglich, dass der sizilianische Papyrus identisch mit den spontan wachsenden Pflanzen in Angola und Zaire ist? Die Botaniker sind seit Jahrhunderten damit beschäftigt, dieses Rätsel zu lösen. Tatsache ist, dass es im ganzen Mittelmeerraum kein größeres natürliches Vorkommen dieser Pflanze gibt als das an der Cianequelle in der Nähe von Syrakus.

Weiter südlich – in Richtung Küste – blickt der Leuchtturm Calderini zum Meer und zu seinen Salzfeldern hinaus. Er bezeugt den frenetischen Lebenszyklus Tausender von Zugvögeln, die auf der Durchreise aus oder nach Afrika Schutz und Nahrung finden. Gewässer, die weich ins Meer hinüberschwappen, Kanäle, in denen Salzpflanzen (Halophyle) gedeihen und Vögel reichlich Nahrung finden, und Papyrusstauden, die zum Himmel hoch sprießen, fast, als wollten sie dort Wurzeln schlagen, schenken einmalige Bilder, deren Farben vom Sonnenaufgang bis zum Einbruch der Nacht in alle möglichen Schattierungen und Töne überwechseln.