Durch die schönsten Naturgebiete Siziliens: Die Madonie- und die Nebrodi-Berge

Durch die schönsten Naturgebiete Siziliens: Die Madonie- und die Nebrodi-Berge

Icon 3 November 2017
Icon By Ceviasi by Vivitalia Tours
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Östlich von Palermo erstreckt sich das Madonie-Gebirge als Abzweigung der sikulischen Apenninenkette in Fortsetzung der Monti Nebrodi über Ostsizilien bis zum Tyrrhenischen Meer. Es sind die höchsten Gipfel der Insel (Pizzo Carbonara, 1979 m), die dank ihrer frühen Entstehung im Trias von einer vielfältigen Landschaft charakterisiert sind: weiche Täler wechseln sich hier mit steilen Felsklippen ab, während satte Weiden auf sanften Hügeln von großflächigen, sonnenbestrahlten Buchenwäldern umgeben sind und anderswo wasserreiche Wildbäche durch ödes Land fließen. Der mildernde Einfluss des Meeres und der bedeutende Höhenunterschied sind die Voraussetzungen, die eine Einsiedlung von mehr als der Hälfte aller sizilianischen Vegetationsarten ermöglichten. Hier kann man auf nahezu 40.000 ha Gesamtfläche, sämtliche vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere antreffen, wie z. B. der Abies nebrodensis, die Tanne der Nebrodi-Berge, der Apollo-Schmetterling und vielleicht auch mal ein Exemplar des äußerst seltenen Bonelli-Adlers.

Die Madonie-Berge
Die Madonie-Berge
Weiter östlich, in einem Gebiet, das drei Provinzen umfasst, kennzeichnen sanfte Hügel die dicht bewaldeten und wasserreichen Hänge des Nebrodi-Parks und bieten dem Besucher ein einmaliges Schauspiel. Im Norden vom Tyrrhenischen Meer umspült, grenzt das Gebiet im Süden an das Ätna-Tal. Hier kann man einen beeindruckend wechselhaften Vegetationszyklus beobachten, der sich allmählich, mit zunehmender Höhe, in einzigartige Wachstumsgürtel unterteilen lässt: an der Küstenebene breitet sich die Macchia aus und Korkeichenwälder beleben vereinzelte Landstriche, über Zitrus- und Olivenhaine gelangt man in den Bereich der Kork- und Zerreichen, während Steineichen und hochwüchsige Buchen die obersten Bereiche gipfeln. Unterwegs durch die ausgedehnten Buchenwälder, die immer wieder von Lichtungen und kleinen Bächlein unterbrochen werden, trifft man häufig auf weidendes Vieh oder auch auf eine Herde der wunderschönen, halbwild lebenden Sanfratellani-Pferde, einer Rasse, die seit über 900 Jahren ungezähmt in den Nebrodi-Bergen lebt.

Bevor man in den eigentlichen Park gelangt, empfiehlt sich der Besuch der San Teodoro-Grotte. Die suggestive Höhle öffnet sich oberhalb von Acquedolci, am Fuße des Kalkvorsprungs Pizzo Castellaro, in dem einzigartige archäologische Funde aus dem oberen Paläolitikum entdeckt wurden (fast vollkommen erhaltene menschliche Skelette, Knochenreste von Nilpferden, Zwergelefanten, Bären, Wölfen und von anderen schon längst ausgestorbenen Tieren, außerdem Steinwerkzeuge guter Manufaktur).

Die Nebrodi-Berge
Die Nebrodi-Berge
Die Landesstraße SS 289 führt nach San Fratello und nach Cesarò und weiter durch Olivenhaine und Zitrusfrüchteplantagen. Schließlich erreicht man den Monte San Fratello (719 m), der anhand von noch sichtbaren Spuren eines alten Steinbruchs klar zu erkennen ist. Der Berg ist unter verschiedenen Gesichtspunkten interessant: naturalistisch, archäologisch und architektonisch.

Naturalistisch gesehen weist der kompakte Kalkblock endemische Felspflanzen auf, die hier extreme Bedingungen zum Überleben gefunden haben. Das meistverbreitete Exemplar ist die Euphorbia dendroides, eine Wolfsmilchvarietät, die sich am Felsenabhang ausbreitet und in der ersten Frühlingswärme mit unzähligen kleinen gelben Blüten der Landschaft eine belebende Farbnote schenkt. Daneben trifft man häufig auf Mastixbäume, Oleander und den Phillirea angustifolia. Weiter oben, in der Nähe des Friedhofs von San Fratello, führt ein kleiner Pfad auf den Berggipfel hinauf, von wo aus man einen zauberhaften Ausblick auf die Tyrrhenische Küste hat, von Capo d’Orlando nach Cefalù und auf die Liparischen Inseln. Hier kann man die Reste der antiken Stadt Apollonia besichtigen, einst wichtiges sikulisch-griechisch-römisches Zentrum, sowie die arabisch-normannische Wallfahrtskapelle der drei heiligen Brüder Alfio, Filadelfio und Cirino (XI-XII Jh.).