Volksfeste und Traditionen in Sizilien: Trapani und Enna

Volksfeste und Traditionen in Sizilien: Trapani und Enna

Icon 15 September 2017
Icon By Ceviasi by Vivitalia Tours
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Jedes Dorf, jede Stadt und jedes Stadtviertel auf Sizilien hat einen eigenen Beschützer und, abgesehen von der Muttergottes, gebührt diesem die größte Verehrung. Eines haben alle Feierlichkeiten gemeinsam: das Theatralische. Mit bunten Lichterbögen, Blumen oder kunstvoll gestickten Decken werden die Straßen als Festkulisse geschmückt. Natürlich darf nie die Musikkapelle fehlen – und zum krönenden Abschluss das Feuerwerk!

Zu diesen Anlässen putzen sich die Sizilianer heraus – Mann und Frau, Jung und Alt – und gehen auf die Straße, auf die Piazza und in die Kirche.

An Verkaufständen werden bunte Spielsachen, Schmuckstücke, Musikkassetten und allerlei Geschenkartikel feilgeboten. Nebenbei knabbert man die typischen „Semenze” (Samen), ein Gemisch aus in Sand gerösteten Erdnüssen, Kichererbsen und Sonnenblumenkernen.

Lustige Wettkämpfe, an denen jeder teilnehmen kann, wie Sackhüpfen, Mastenklettern, Eierlaufen, Pferderennen und für die Kleinen ein Karussell, bereichern das Programm.

Da die meisten Feste in den Frühling und den Sommer fallen, dient die Osterwoche gewissermaßen als Höhepunkt der Feierlichkeiten. Die Osterprozessionen dauern eine ganze Woche und erfordern monatelange Vorbereitungen.

Trapani Karfreitag
Trapani Karfreitag

Trapani und Enna rühmen sich, am Karfreitag die größten Prozessionen zu veranstalten. In Trapani werden z. B. insgesamt 20 Mysteriengruppen (Vare) aus dem XVI. und XVII. Jh., jede 500 bis 900 kg schwer, auf den Schultern der Männer aus der Kirche und durch die Straßen getragen. Alle Innungsmitglieder tragen lange Kutten und geschlossene, farbige Kapuzen, in denen nur Schlitze für die Augen freigelassen werden. Jeder Gruppe folgt die zugehörige Brüderschaft und eine Musikkapelle. Den Abschluss bildet der gläserne Sarg mit dem Leichnam Christi und die schmerzensreiche Maria. Am Abend bietet das flackernde Licht der Öllaternen, begleitet vom Trommelgewirbel und vom Klang düsterer Trauermärsche, eine suggestive, unheimlich wirkende Atmosphäre.

In Salemi (Trapani) bilden fantasievolle Brotformen den Mittelpunkt mehrerer Feste. Am 19. März, dem Tag des hl. Josef, und am darauffolgenden Sonntag werden auf den Straßen kunstvolle Altäre unter Bogenkonstruktionen mit Hunderten, verschieden modellierten Gebäckteilchen aufgebaut und mit Myrten-, Lorbeer- und Orangengirlanden verziert. Das Fest gipfelt in gewaltigen Festmählern, bei denen Ehrengäste, meist Arme und Waisenkinder, die die Heilige Familie darstellen, bewirtet werden, bevor sich die Gastgeber zu Tisch setzen. Dabei werden bis zu 150 Gänge aufgetischt. Die geweihten Brote werden anschließend an alle Besucher und Bekannte verteilt, denn an diesen Tagen sind die Türen für jedermann geöffnet!